Soziale Dienste: 30/08/2005
„Gemeinsam wachsen“ in der Bezirksgemeinschaft Burggrafenamt
Ambulante Pflege als neues Angebot zur Entlastung von Familien mit Kindern und Jugendlichen mit schwerer Behinderung / Gemeinschaftsprojekt der Bezirksgemeinschaft Burggrafenamt, der Familien- und Seniorendienste Lana, Caritas-Hauspflege ASOD, Gemeinde Meran, Vereinigung Pro Juventute, Arbeitskreis Eltern Behinderter (AEB)
24 Stunden täglich sind Familien mit Kindern mit schwerer Behinderung gefordert und das sieben Tage in der Woche. Es gibt kaum Entlastungsangebote durch teilstationäre bzw. stationäre Dienste. Betroffene Familien brauchen Raum für die eigenen und andere familiäre Bedürfnisse. Um diesen Raum zu schaffen, bieten die Hauspflegen des Bezirkes Burggrafenamt eine neue Dienstleistung an. Familien mit Kindern und Jugendlichen mit Behinderung im Alter von 3 bis 18 Jahren können Fachkräfte nach Hause anfordern. Diese stehen ihnen nach Bedarf einige Stunden in der Woche für allfällige Hilfeleistungen zur Verfügung. Es geht um Pflege, Unterstützung im Alltag, Freizeitbetruung, Hausaufgabenhilfe und sozialpädagogische Betreuung. Um den Familien nicht eine große zusätzliche finanzielle Bürde aufzuerlegen, ist eine 50%ge Reduzierung des bestehenden Hauspflegetarifs vorgesehen.
Die MitarbeiterInnen der Hauspflege leisten bereits eine wertvolle Arbeit in der Pflege und Betreuung von alten und kranken Menschen und auch von Menschen mit Behinderung. Ihre Tätigkeit beschränkt sich allerdings meistens auf die allernotwendigsten Maßnahmen wie Körperpflege, Med. Behandlungspflege, Aktivierung und Begleitdienst. Spezielle Angebote welche eine mehrstündige Betreuung von jungen Menschen mit Behinderung erfordern, sind bisher nur begrenzt vorgesehen. Oft reicht die Zeit dazu nicht aus; für manche Familien ist dieser Dienst auch nicht finanzierbar. Weil Angehörige von Familien mit Kindern und Jugendlichen mit schwerer Behinderung bei zuständigen Stellen zunehmend um Entlastung angefragt haben, geht man in der Bezirksgemeinschaft Burggrafenamt neue Wege.
Ab sofort können betroffene Familien bei der Einsatzleitung der Hauspflege in den jeweiligen Sprengeln im Burggrafenamt um Unterstützung unter dem Titel „Gemeinsam wachsen“ anfragen. Fachkräfte der Hauspflege stehen fortan auch für individuelle Betreuung von Kindern oder Jugendlichen mit schwerer Behinderung zur Verfügung. Hausaufgabenhilfe, Aktivierung und Animation mit den betreuten jungen Menschen, Spaziergänge, sozialpädagogische Unterstützung und vieles mehr sind vorgesehen. Das Projekt ist in Zusammenarbeit zwischen Bezirksgemeinschaft Burggrafenamt, Familien- und Seniorendienste Lana, Caritas-Hauspflege ASOD, Gemeinde Meran, Vereinigung Pro Juventute und Arbeitskreis Eltern Behinderter (AEB) entstanden.
Hauptziel dieses neuen Angebotes ist es, den Familien Freiraum zu schaffen. Es sind vor allem Eltern, die die Pflege ihrer Kinder übernehmen und zumindest einige Stunden in der Woche entlastet werden sollen. In der Zeit der Anwesenheit der Hauspflegekräfte können sie sich um sich und ihre eigenen Bedürfnisse kümmern. Sie müssen in diesen Stunden nicht anwesend sein und bekommen etwas Freiraum. Das Projekt setzt eine individuell unterschiedliche Kennenlern- und Einarbeitungsphase voraus. Kontinuität ist gefordert. Das heißt, dass so weit wie möglich dieselbe Person die Begleitung eines Kindes oder Jugendlichen übernimmt. Die Netzwerkarbeit mit privaten und öffentlichen Institutionen ist ebenso ein Ziel dieses neuen Angebotes um so auch bereits vorhandene Ressourcen auszuschöpfen.
Weil dieses neue Angebot meist eine mehrstündige Betreuung voraussetzt und die Bezahlung für manche Familien ein Problem sein kann, wird für dieses Projekt eine 50%ige Reduzierung des Hauspflegetarifs gewährt. Die Leistungen werden grundsätzlich von Montag bis Samstag erbracht, bei Bedarf auch abends und sonntags. In Notsituationen ist eine schnelle und unbürokratische Hilfe vorgesehen. Nachdem das Projekt seine Pilotphase hinter sich hat, sollen – falls Ressourcen vorhanden sind – auch die Anfragen um Betreuung von erwachsenen Menschen mit Behinderung berücksichtigt werden. So wird das Projekt Schritt für Schritt ausgeweitet.